2025 pollinator thermometersiedlung 2

An einer Biege der Celsiusstraße vor der Eben-Ezer-Gemeinde wachsen seit Mittwoch, den 14. Mai 2025, kleine Pflänzchen. Das neue Blumenbeet ist Teil des Kunstprojektes „Pollinator Pathmaker“ der Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg, das durch Initiative des Quartiersmanagements in die Thermometersiedlung kam. Der Clou an der Sache: es ist weniger Kunst für Menschen als vielmehr für bestäubende Insekten. Das Beet reiht sich ein in ein Netzwerk kleiner und großer Gärten, die in Kontinentaleuropa entstehen sollen.

Neben dem Klimawandel ist das Artensterben die wohl größte Umweltkatastrophe unserer Zeit. Besonders dramatisch ist das Verschwinden von Insekten, was wiederum ganze Ökosysteme in ihrer Existenz bedroht. Populärstes Beispiel ist der Rückgang an Bienen, ohne die kein Obst an den Bäumen wachsen würde. Aber auch Fliegen, Motten, Käfer oder Wespen sichern den Fortbestand vieler Pflanzen, unter anderem in Berlin. Verantwortlich für das Artenserben ist zweifelsfrei der Mensch, indem er Böden versiegelt, Monokulturen pflanzt oder Pestizide in der Landwirtschaft einsetzt.

Die englische Künstlerin Ginsberg widmet sich seit einigen Jahren der belasteten Beziehung zwischen Mensch und Natur. Vor zwei Jahren hat sie deshalb in Berlin vor dem Naturkundemuseum ihr Kunstprojekt „Pollinator Pathmaker“ gestartet, eine Art lebendiger Skulptur für Insekten: Durch die artgerechte Gestaltung von Gärten sollen dort Pflanzen wachsen, die das ganze Jahr über Futter für die kleinen Lebewesen bieten. Die Auswahl der Pflanzen entscheidet ein Algorithmus, also ein Computerprogramm, das von Expert*innen entwickelt wurde. In das Programm fließt zum Beispiel ein, welche Pflanzen an einem Standort zu welcher Zeit am besten wachsen, welche Beschaffenheit der Boden hat oder welche Wege die Insekten von einem zum anderen Beet nehmen. Ziel ist es, ein Netzwerk von großen und kleinen Gärten zu schaffen, zwischen denen die Insekten hin und her wandern können. Finanziert wird Pollinator Pathmaker von der LAS Art Foundation, die kooperative Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft fördert.



"Ich fand die Idee sofort gut“, erzählt Quartiersmanagerin Tine Piwek bei der Pflanzaktion in der Thermometersiedlung. Frau Piwek steht am Rande des neuen Beetes, es duftet nach Erde, Nachbar*innen sind gekommen, Vertreterinnen der LAS Art Foundation, Mitglieder der Eben-Ezer-Gemeinde und Marinus Bergmann vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.

Die Mitarbeiter*innen der LAS Art Foundation hatten in Berlin Rundmails verschickt, um neue Standorte für die Pollinator-Gärten zu finden. Eine dieser Mail landete im Postfach des QMs Thermometersiedlung. In der Arbeit des QMs spielt die Qualifizierung öffentlicher Räume mit Bewohnerbeteiligung eine große Rolle. Das aus Mitteln des Programms Sozialer Zusammenhalt geförderte Projekt Grüne Begegnungsorte im Kiez zum Beispiel verfolgt das Ziel, attraktive Treffpunkte unter freiem Himmel zu schaffen.
In einem Beteiligungsprozess votierten Nachbar*innen unter anderem dafür, den Platz an der alten Eiche vor der Eben-Ezer-Gemeinde entsprechend herzurichten. Unter der Leitung des Projektträgers bwgt e.V. wurde schließlich eine Rundbank um die Eiche gebaut und eine Kooperation mit der LAS Art Foundation geschlossen.
Das Beet vor der Bank war allerdings ziemlich zugewuchert. Mit etwas Vorarbeit, so die Idee des QM-Teams, wäre es ein idealer Standort für einen Pollinator-Garten. Zumal helfende und offene Menschen nebenan aktiv sind: Mitglieder der Eben-Ezer-Gemeinde erklärten sich bereit, den Garten zukünftig zu pflegen.
Das QM nahm mit der LAS Art Foundation Kontakt auf, bewarb sich und bekam den Zuschlag. Es folgte die Analyse des Ortes für den Algorithmus und die Auswahl geeigneter Pflanzen.

Am Tag der Bepflanzung hat die Gemeinde gemeinsam mit dem QM einen Tisch mit Getränken und Snacks aufgebaut, im Beet zieht Felix Klump von bwgt e.V. hier und da noch eine Wurzel aus der Erde, Mitglieder der Eben-Ezer-Gemeinde lockern mit Hacken und Rechen den Boden auf. Zwar wurde das Gröbste schon von einer im Rahmen des Projektes „Grüne Begegnungsorte im Kiez“ beauftragten Gartenbaufirma erledigt, ein paar Arbeiten sind trotzdem noch offen. Anschließend legen Sophie Korschildgen, Cosima Otte und Zoe Büchtemann von der LAS Art Foundation ein Raster über das Beet, in dessen einzelne Felder später die mitgebrachten Pflanzen so gesetzt werden, wie es der Algorithmus vorgeschlagen hat. „Es ist eines unserer schönsten Projekte. Berlin zu beleben hat etwas wohltuendes“, sagt Zoe Büchtemann.

Wer sich an der Pflege des nun wachsenden Gartens beteiligen möchte, ist herzlich willkommen.

2025 pollinator thermometersiedlung 1a

2025 pollinator thermometersiedlung 1b

2025 pollinator thermometersiedlung 1c

2025 pollinator thermometersiedlung 2

2025 pollinator thermometersiedlung 3

Text/Fotos: M. Hühn, QM Thermometersiedlung, Mai 2025
QM Thermometersiedlung Logoleiste lang